Agiles StartUp oder überzogener Hype?

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Interview mit Herrn Johannes Baldauf (Experte agile Organisationen)

agile Organisation
Johannes Baldauf, Psychologe & Soziologe

Agilität sorgt angeblich für mehr Dynamik, Effizienz und Innovation.

Dennoch scheint der Hype um Scrum & Co. bereits verflogen zu sein. Ernüchternd die Ergebnisse und Effekte.

Der Zürcher & Basler Unternehmensberater und Hochschule-Dozent  Johannes Baldauf hält dennoch nach wie vor an agilen Methoden & Organisationen fest. Sein Kredo: „Pragmatismus, statt Buzzwords und schicke Scrum-Zertifikate“

Wir von der Innovation Thinking™ Redaktion haben ihn in Bezug auf die StartUp Organisation & Entwicklung im deutschsprachigen Raum befragt.

Herr Baldauf, man hört zurzeit immer wieder, wie unattraktiv der deutschsprachige Raum für Gründer & Gründerinnen sei. Wie sehen Sie diesen Sachverhalt? Inwieweit stimmen diese Aussagen?

Ja und Nein. Wie oft, bin ich auch hier ein Freund der Differenzierung. Es mag durchaus sein, dass die Bedingungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht immer optimal sind und man durchaus die Gründung neuer innovativer Unternehmen und Projekte deutlich mehr fördern könnte, aber das ist meiner Meinung nach nicht der ausschlaggebende Punkt.

Ich finde es immer sehr leicht, Scheitern und Schuld bei anderen zu suchen und Politik, sowie Gesellschaft zu diffamieren.

Das Problem liegt mehr an den Unternehmern oder „Entrepreneurs“ – wie man es ja heutzutage sagt – selbst.

Also, wie ich das verstehe, halten Sie die Neu-Unternehmer für unfähig oder gar inkompetent?

Nein, das nicht unbedingt. Verstehen Sie, ich betrachte solche Probleme stets holistisch und immer mit historischem Bezug. Wenn wir uns die StartUp Entwicklung ansehen, ist diese „Unattraktivität“ global festzustellen. Ergo, auch in dem Gründer-Land schlecht hin – die USA – gehen die Innovationen und Neu-Gründungen statistisch zurück.

Und wenn ich mir dann aber die aktuelle CB Insights Studie anschaue, wird mir der eigentliche Grund nämlich deutlich bewusst. 90% der StartUps scheitern innert der ersten drei Jahre. Der Hauptgrund ist der fehlende Markt, bzw. mangelnde Nachfrage an den Produkten.

Aber dann liegt es doch nicht an der Gründern, wenn der Markt fehlt?

Und eben genau deswegen schon. Das ist einfachste Betriebs-Ökonomie.

Wir muss man das verstehen?

Schauen Sie. Immer wieder erlebe ich Geschichten von jungen motivierten Menschen, die voller Ungeduld, schnell erfolgreich werden möchten und keinen Bock mehr auf stupide Sachbearbeiter Dienste im Konzern haben und sich eben kurzerhand – schier spontan – eine Geschäftsidee überlegen, mit der diese dann das hippe, moderne StartUp Leben geniessen können. Der entscheidende Fehler ist dabei, dass diese Unternehmer keine Probleme lösen. Also, keine Kunden-Probleme. Und genau das ist aber der Sinn eines Produktes, einer Leistung oder eines Projektes.

Ergo, produzieren und planen diese StartUps vollkommen am Markt vorbei. Das ist eigentlich simpelste Ökonomie. Aber wir sehen ganz oft, dass eben selbst der St. Galler Absolvent dies praktisch nicht umsetzen kann.

Das klingt nach scharfer Kritik. Also sind die Hochschulen mit schuld?

Ja und Nein. Aber das wäre nun ein komplett neues Thema. Mir fällt einfach auf – sowohl statistisch, als auch im praktischen Alltag – dass StartUps  ein riesen Problem mit dem tatsächlichen Kunden-Bedarf haben. Und als Sozio-Ökonom sehe ich dahinter ein globales soziologisches Problem. Ergo, eigentlich ein soziologisches Phänomen der westlichen Welt.

Also sehen Sie dahinter ein gesellschaftliches Problem der Wohlstandsgesellschaft?

Mehr oder wenig, ja – genau. Sehen Sie, Innovation entsteht meist und ganz oft dann, wenn wir Mangel an Ressourcen, Krisen, ein Knappheit  oder existentielle Probleme haben und erleben. Dann werden Menschen tatsächlich kreativ und somit innovativ.

Was wir hier bei uns aktuell haben, sind Sandkasten-Unternehmer, die nach Selbstverwirklichung drängen. Das ist eher egoistisch als Sozio-ökonomisch wertvoll.

Auch das klingt sehr harsch. Wie ich das verstehe, geben Sie hiesigen StartUps wenig Chancen?

So meine ich das nicht. Die hiesigen StartUps müssen sich einfach verändern. Das tun, was sie über 3-4 Jahre an den Unis gelernt haben. Kunden-Orientierung und vor allem den exakten Kundenbedarf ermitteln, ist oberstes Gebot für Erfolge. Auch wenn das heisst, dass der jung Betrieb unter Umständen radikal umgestellt werden muss. Aber auch das fällt StartUps in der Regel leichter.

Was meinen Sie wenn Sie vom exakten Kunden-Bedarf sprechen?

Wir haben oftmals das Problem, dass viele Produktentwickler und StartUps sich mit dem sogenannten vermeintlichen Kunden-Bedarf abfinden und diesen dann als Basis für deren Entwicklung herziehen. Als Psychologe weiss ich aber, dass Menschen – und somit auch Kunden – in den seltensten Fällen wirklich wissen was diese wollen und auch bei direkter Nachfrage, diesen Bedarf, Wunsch etc. nicht definieren können oder eben unwissentlich etwas Contraires äussern, was wir als StartUp dann als bare Münze nehmen.

Exakter Kundenbedarf, ist dann dies, was wir herausfinden, wenn wir „tiefer“ gehen und die emotionale und motionale Ebene genauer betrachten.

Was meinen Sie mit motional?

Im Endeffekt meint es das Verhalten der Kunden, in Bezug auf versteckte emotionale Bewertungen, bzw. Bedürfnisse. Dabei müssen wir Beziehungen und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge erarbeiten.

Und genau das ist gar nicht so einfach. Was glauben Sie wie viele Produkt- & Marktstudien aufgrund fehlerhafter Annahmen und Analyse so in die Hose gingen.

Was raten Sie also StartUps, um an diesen exakten Kundenbedarf zu gelangen?

Agile Methoden. Ganz konkret den Ansatz des angewandten Design Thinkings. Durch die Modelle, wie wir zuverlässige Persona bilden können und wie wir mit Interviews, sowie digitaler psychologischer Fragebögen arbeiten können, kommen wir da relativ schnell an tolle Ergebnisse. Die Diversität agiler Teams sorgt dann für den notwendigen Effekt und auch die Effizienz.

StartUps müssen sich verändern, wenn diese nachhaltigen Erfolg erzielen wollen. Aber das gilt eben nicht nur für StartUps, sondern auch für ein jedes Unternehmen. Agile Organisationen schaffen Effizienz, Innovation und deutlich mehr Leistung.

Für viele ist Agilität ein bisschen Lego spielen und kuscheln. In Wahrheit geht es aber um Umsatz – ergo, bares Geld.

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